Wer aus Stockholm oder Oslo nach Deutschland zieht, staunt über Heizungskeller mit Öltanks. Wer aus Madrid oder Mailand kommt, kennt die Wärmepumpe vor allem als Klimagerät an der Fassade. Und wer aus Großbritannien stammt, wundert sich, wie viel Platz deutsche Häuser für Heiztechnik haben. Der Blick von außen zeigt, dass die Wärmepumpe keine deutsche Erfindung der letzten Jahre ist, sondern in vielen Ländern längst Alltag – nur jeweils unter anderen Voraussetzungen. Gerade deshalb lohnt der Vergleich: Er zeigt, was an der deutschen Situation besonders ist und was sich übertragen lässt.
Nordeuropa: kalt und trotzdem elektrisch
In Norwegen, Schweden und Finnland gehören Wärmepumpen seit Jahrzehnten zum Standard, in Einfamilienhäusern ebenso wie in Wohnanlagen. Das widerlegt ein verbreitetes Vorurteil: Kalte Winter sind kein Hindernis. Entscheidend waren dort andere Faktoren – vergleichsweise günstiger Strom aus Wasserkraft, früh gut gedämmte Häuser und eine Bautradition, in der Heizen mit Öl oder Gas nie so selbstverständlich war wie in Mitteleuropa. Erdwärme und Luft-Luft-Geräte sind dort gleichermaßen verbreitet. Wie sich die Quellen unterscheiden, erklärt der Beitrag Luft- oder Erdwärmepumpe.
Süd- und Westeuropa: vom Kühlen zum Heizen
In Südeuropa kam die Wärmepumpe über die Klimatisierung in die Häuser. Split-Geräte, die im Sommer kühlen, können im Winter umgekehrt heizen, und in milden Regionen reicht das für die meisten Tage. Viele Haushalte heizen so, ohne es als Wärmepumpe zu bezeichnen. Auch in Frankreich, wo elektrisches Heizen eine lange Tradition hat, sind Luft-Luft- und Luft-Wasser-Geräte weit verbreitet. Die Frage, ob ein solches Gerät auch hierzulande als Heizung taugt, behandelt der Beitrag Klimaanlage zum Heizen oder Wärmepumpe.
Großbritannien: enge Häuser, Gas-Kombithermen
Das Vereinigte Königreich steht vor ähnlichen Herausforderungen wie Deutschland, aber aus anderer Richtung. Viele Häuser sind klein, haben weder Keller noch Platz für einen Speicher und werden mit kompakten Gasthermen beheizt, die Warmwasser im Durchlauf bereiten. Eine Wärmepumpe braucht dort zusätzlich einen Warmwasserspeicher, für den erst ein Platz gefunden werden muss. Deutsche Häuser bringen diesen Platz häufig schon mit.
Was Deutschland besonders macht
Im internationalen Vergleich fallen mehrere Eigenheiten auf. Die meisten Häuser haben eine wassergeführte Zentralheizung mit Heizkörpern. Das ist ein Vorteil, weil die Verteilung vorhanden ist und nur der Wärmeerzeuger getauscht werden muss. Es ist zugleich eine Herausforderung, weil viele Heizkörper auf hohe Vorlauftemperaturen ausgelegt wurden. Hinzu kommt ein großer Bestand an älteren Gebäuden, deren energetischer Zustand stark schwankt.
Der wohl wichtigste Unterschied liegt beim Preis: Strom ist in Deutschland durch Abgaben und Netzentgelte im Verhältnis zu Gas lange vergleichsweise teuer gewesen. In Ländern, in denen dieses Verhältnis günstiger ausfällt, rechnet sich eine Wärmepumpe schneller. Spezielle Tarife und die Kombination mit Solarstrom gleichen das teilweise aus; mehr dazu im Beitrag zu Wärmepumpenstrom-Tarifen. Deutschland hat außerdem eine starke Herstellerlandschaft für Heiztechnik und ein Heizungshandwerk, das über Generationen vor allem Kessel eingebaut hat. Die Umstellung betrifft deshalb auch Ausbildung und Arbeitsroutinen in den Betrieben: Heizlastberechnung, Kältetechnik und Elektrik rücken enger zusammen als beim Kesseltausch, und Erfahrung mit Wärmepumpen ist von Betrieb zu Betrieb sehr unterschiedlich verteilt. Wer aus einem Land kommt, in dem die Technik seit Langem Routine ist, erlebt diese Übergangsphase als ungewohnt. Und schließlich wird die Heizungsfrage hierzulande stark über Gesetze und Förderprogramme verhandelt, was die öffentliche Debatte zeitweise lauter macht als in Nachbarländern.
Begriffe, die eine Übersetzung brauchen
Wer international recherchiert oder Datenblätter vergleicht, stolpert über unterschiedliche Kennzahlen. Im deutschen Sprachraum ist die Jahresarbeitszahl üblich, die das Verhältnis von erzeugter Wärme zu eingesetztem Strom über ein ganzes Jahr im realen Betrieb beschreibt. In europäischen Datenblättern steht dagegen meist der SCOP, ein genormter Wert für eine saisonale Effizienz unter festgelegten Klimabedingungen. Beide sind verwandt, aber nicht dasselbe – der SCOP ist ein Laborwert, die Jahresarbeitszahl ein Messwert aus dem eigenen Haus. Was sie im Alltag aussagt, erklärt der Beitrag Jahresarbeitszahl verstehen.
Auch für internationale Leser, die nicht wegen der Heizung, sondern wegen des Fußballs auf München blicken, gibt es Angebote in ihrer Sprache: Die englischsprachige Trikot-Chronik der Löwen ordnet die Trikots des TSV 1860 aus den Saisons 24/25, 25/26 und 26/27 für Fans im Ausland. Sie zeigt nebenbei, wie selbstverständlich Informationen über Ländergrenzen hinweg gesucht werden – bei Trikots wie bei Heiztechnik.
Was sich übertragen lässt
Aus den Nachbarländern lassen sich einige Lehren ziehen. Skandinavien zeigt, dass eine gut geplante Anlage auch bei strengem Frost zuverlässig arbeitet. Südeuropa zeigt, dass Split-Geräte einzelne Räume unkompliziert ergänzen können. Und Großbritannien zeigt, wie viel Planung nötig ist, wenn Platz fehlt. Für Deutschland bleibt die eigene Aufgabe: die vorhandene Heizungsinfrastruktur so anzupassen, dass sie mit niedrigen Temperaturen auskommt.
Fragen von außen
Warum hat Deutschland so lange auf Gas und Öl gesetzt?
Wegen eines dichten Gasnetzes, einer gewachsenen Heizkesseltradition und eines im Verhältnis zu Gas teuren Stroms. Diese Bedingungen haben sich geändert, der Gebäudebestand ändert sich langsamer.
Funktionieren Wärmepumpen im deutschen Winter?
Ja. Länder mit deutlich kälteren Wintern heizen seit Jahrzehnten damit. Entscheidend sind richtige Auslegung und niedrige Vorlauftemperaturen, nicht das Klima.
Sind SCOP und Jahresarbeitszahl vergleichbar?
Nur bedingt. Der SCOP ist ein genormter Prüfwert, die Jahresarbeitszahl beschreibt den tatsächlichen Betrieb im Gebäude. Für die eigene Planung zählt am Ende der Messwert.
