Die Wärmepumpe
Magazin
Heizungstausch

Wärmepumpe im Altbau: die Vorlauftemperatur entscheidet, nicht das Baujahr

Ohne Fußbodenheizung, ohne Vollsanierung, mit vorhandenen Heizkörpern: Was ein Altbau wirklich braucht, wie man es an einem Wintertag selbst prüft und wo die Grenze verläuft.

Redaktion Die Wärmepumpe2 MinutenStand: Sommer 2026
Hydraulischer Anschluss einer Wärmepumpe im Heizungsraum
Hydraulischer Anschluss einer Wärmepumpe im Heizungsraum

Die verbreitetste Aussage zur Wärmepumpe im Altbau lautet, sie funktioniere dort nicht. Die zweitverbreitetste lautet, sie funktioniere überall. Beide sind zu grob. Ob eine Wärmepumpe in einem Bestandsgebäude sinnvoll läuft, hängt an einer einzigen Größe: der Vorlauftemperatur, die das Gebäude am kältesten Tag braucht.

Warum die Vorlauftemperatur alles bestimmt

Jedes Grad weniger Vorlauf verbessert die Arbeitszahl um etwa zweieinhalb Prozent. Zwischen 55 und 40 Grad liegen damit rund 35 Prozent Stromverbrauch. Ein Gebäude, das mit 50 Grad auskommt, ist ein gutes Wärmepumpengebäude — unabhängig davon, ob es von 1975 oder 2005 stammt. Ein Gebäude, das 70 Grad braucht, ist es nicht, auch wenn zwischenzeitlich die Fenster getauscht wurden.

Der Test, den man selbst machen kann

Der Heizkurventest kostet nichts und braucht nur einen kalten Tag unter null Grad: Vorlauftemperatur an der bestehenden Heizung schrittweise absenken, jeweils einen Tag beobachten, ob alle Räume ihre Temperatur halten. Bleibt es bei 50 bis 55 Grad warm, ist der Fall klar. Wird es in einzelnen Räumen kalt, sind meist diese einzelnen Heizkörper das Problem — nicht das Haus.

Was tatsächlich hilft — in dieser Reihenfolge

  • Hydraulischer Abgleich. Verteilt die Wärme dorthin, wo sie gebraucht wird. Bringt oft schon fünf Grad weniger Vorlauf.
  • Einzelne Heizkörper tauschen. Meist reichen zwei bis vier Räume — Bad, Nordzimmer, Wohnzimmer. Ein größerer Niedertemperaturheizkörper kostet 400 bis 900 Euro eingebaut.
  • Kellerdecke und oberste Geschossdecke dämmen. Wenige tausend Euro, spürbare Wirkung auf die Heizlast, ohne Gerüst und Fassade.
  • Fenster und Fassade. Wirksam, aber teuer — und in vielen Fällen für den Betrieb der Wärmepumpe nicht nötig.

Wo die Grenze verläuft

Schwierig wird es bei Einrohrheizungen mit sehr kleinen Heizflächen, bei ungedämmten Fachwerkbauten mit hoher Lüftungsrate und bei Gebäuden, in denen die Heizlast pro Quadratmeter über etwa 120 Watt liegt. Dann ist entweder eine Hochtemperatur-Wärmepumpe mit schlechterer Arbeitszahl nötig oder ein anderes Heizsystem die ehrlichere Antwort.

Was der Altbau kostet

Die Wärmepumpe selbst kostet im Altbau nicht mehr als im Neubau. Teurer werden die Begleitarbeiten: Heizkörpertausch, Abgleich, gelegentlich eine neue Elektroverteilung. Realistisch sind 24.000 bis 38.000 Euro vor Förderung. Wer die drei genannten Vorarbeiten macht, landet fast immer im unteren Bereich — und mit einer Arbeitszahl, die den Betrieb trägt.

Die eine Zahl, nach der zu fragen ist

Vor der Unterschrift: „Mit welcher Vorlauftemperatur bei Normaußentemperatur rechnen Sie?“ Wer darauf keine Zahl nennt, hat die Anlage nicht ausgelegt, sondern verkauft.

Dieser Beitrag ordnet Rechtslage und Marktentwicklung ein und ersetzt keine Beratung im Einzelfall. Fördersätze, Fristen und Preise ändern sich; maßgeblich sind die Veröffentlichungen der zuständigen Stellen zum Zeitpunkt Ihrer Entscheidung.

Service

Konkrete Zahlen für Ihr Gebäude?

3 Angebote von Fachbetrieben aus Ihrer Region, kostenlos und unverbindlich.

Angebot anfordern