Der Satz „Wärmepumpe geht nur mit Fußbodenheizung“ ist die hartnäckigste Fehlinformation im Heizungsmarkt. Richtig ist: Die Wärmepumpe braucht große Übertragungsflächen. Ob diese Fläche im Boden liegt oder an der Wand hängt, ist ihr gleichgültig.
Warum alte Heizkörper oft reichen
Heizkörper in Gebäuden aus den siebziger und achtziger Jahren wurden für 90 Grad Vorlauf und 70 Grad Rücklauf ausgelegt — und dabei üblicherweise großzügig dimensioniert. Seither wurden vielerorts Fenster getauscht und Dächer gedämmt, die Heizlast ist gesunken, die Fläche aber geblieben. In der Praxis kommt ein großer Teil dieser Häuser mit 50 bis 55 Grad Vorlauf aus. Genau das ist der Bereich, in dem eine Wärmepumpe noch ordentlich arbeitet.
Der Überschlag pro Raum
Ein Plattenheizkörper gibt bei 55 Grad Vorlauf und 20 Grad Raumtemperatur etwa die Hälfte seiner Nennleistung ab, die auf 75/65/20 Grad bezogen ist. Wer die Nennleistung des vorhandenen Heizkörpers kennt und die Raumheizlast überschlägt — grob 40 bis 70 Watt je Quadratmeter im sanierten, 80 bis 120 im unsanierten Bestand — sieht sofort, welche Räume knapp werden. Meist sind es zwei bis vier.
Die Optionen für diese Räume
- Größerer Plattenheizkörper. Gleicher Anschluss, mehr Bautiefe oder Länge. 400 bis 900 Euro pro Raum inklusive Montage. Der Regelfall.
- Niedertemperatur- oder Wärmepumpenheizkörper. Gleiche Bauform, aber auf niedrige Spreizung optimiert, teils mit größerer Fläche. 500 bis 1.200 Euro.
- Gebläsekonvektor. Kleiner Ventilator im Heizkörper, dadurch drei- bis vierfache Leistung bei gleicher Größe und Vorlauf um 40 Grad. 800 bis 1.500 Euro, braucht Strom und ist im Betrieb hörbar. Kann im Sommer kühlen.
- Wandheizung oder Deckenheizung. Große Fläche, sehr niedrige Vorlauftemperatur, aber Eingriff in die Räume.
Was vor dem Tausch kommt
Der hydraulische Abgleich. Er kostet 500 bis 1.200 Euro, ist Fördervoraussetzung und ersetzt in vielen Häusern einen Teil der geplanten Heizkörpertausche: Wo die Wärme richtig verteilt wird, reichen die vorhandenen Flächen häufig doch. Erst danach zeigt sich, welche Räume wirklich neue Heizkörper brauchen.
Thermostate nicht vergessen
In einer Wärmepumpenanlage arbeitet die Heizkurve, nicht das Thermostatventil. Voreinstellbare Ventile gehören zum Abgleich dazu, dauerhaft heruntergedrehte Räume sind dagegen kontraproduktiv: Sie zwingen die Anlage in höhere Vorlauftemperaturen für die verbliebenen Räume.
