Die Wärmepumpe
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Heizungstausch

1960er-Häuser energetisch sanieren: der Weg zur Wärmepumpe

Häuser aus der Zeit um 1966 haben typische Schwächen und unterschätzte Stärken. Was bei Wänden, Decken, Heizkörpern und Ölkeller vor dem Tausch zählt.

Redaktion Die Wärmepumpe4 MinutenStand: Oktober 2026
Vergleich verschiedener Wärmepumpenmodelle
Vergleich verschiedener Wärmepumpenmodelle

Mitte der 1960er-Jahre wurde in Deutschland so viel gebaut wie selten zuvor. Siedlungen, Reihenhäuser, Mehrfamilienhäuser und Vereinsgebäude entstanden in kurzer Zeit, meist mit einer Ölzentralheizung im Keller und kaum Gedanken an Dämmung. Ein großer Teil dieser Gebäude steht noch und ist heute in einem Alter, in dem Heizung, Fenster und Dach ohnehin anstehen. Wer ein solches Haus besitzt, hat bei der Umstellung auf eine Wärmepumpe mit bekannten Schwächen zu tun – und mit einigen Stärken, die oft übersehen werden.

Ein Jahrgang mit Jubiläum

Für München ist 1966 ein besonderes Jahr: Der TSV 1860 wurde Deutscher Meister. Sechzig Jahre später erinnert der Verein mit einem Heimtrikot daran, in dessen Stoff die Namen der Meistermannschaft eingewebt sind; wer dahintersteckt, erzählt die Seite zum Heritage-Trikot und zur Meisterelf von 1966. Auch viele Häuser aus diesen Jahren haben ihr sechzigstes Jubiläum hinter sich. Anders als ein Trikot lassen sie sich aber nicht neu auflegen, sondern müssen Schritt für Schritt in die Gegenwart geholt werden.

Was Sechzigerjahre-Häuser typischerweise auszeichnet

Die Bauweise dieser Zeit ist regional unterschiedlich, einige Merkmale kehren aber häufig wieder:

  • Wände ohne nennenswerte Dämmung. Einschaliges Mauerwerk aus Ziegel, Bims oder Hohlblocksteinen, verputzt. In manchen Regionen auch zweischaliges Mauerwerk mit einer Luftschicht dazwischen.
  • Durchlaufende Betondecken. Balkonplatten, die ohne Trennung aus der Geschossdecke herausragen, wirken als Wärmebrücke und sind im Winter innen oft spürbar kühl.
  • Ungedämmte Rollladenkästen über den Fenstern, die Wärme und Zugluft durchlassen.
  • Flache oder flach geneigte Dächer und Dachböden mit einer obersten Geschossdecke ohne Dämmung.
  • Ein eigener Heizraum mit Öltank, häufig mit einem Schornstein, der durch das ganze Haus führt.

Die unterschätzte Stärke: großzügige Heizkörper

Die Heizkörper eines Hauses aus dieser Zeit wurden für ein ungedämmtes Gebäude mit einfachen Fenstern bemessen. Wurden seitdem Fenster getauscht, das Dach gedämmt oder die Kellerdecke isoliert, ist der Wärmebedarf gesunken – die Heizkörper aber sind gleich groß geblieben. Sie sind damit für den heutigen Bedarf oft reichlich ausgelegt und kommen mit niedrigeren Vorlauftemperaturen aus, als man dem Haus zutraut. Genau das braucht eine Wärmepumpe. Wie sich das vor dem Kauf überprüfen lässt, beschreibt der Beitrag zur Wärmepumpe im Altbau; ein hydraulischer Abgleich sorgt danach dafür, dass jeder Raum die passende Menge Heizwasser bekommt.

Eine Besonderheit: die Einrohrheizung

In einem Teil der Gebäude aus dieser Zeit wurde statt eines Zweirohrsystems eine Einrohrheizung verlegt. Dabei durchströmt das Heizwasser die Heizkörper nacheinander und kühlt dabei ab, sodass der letzte Heizkörper im Strang die geringste Temperatur bekommt. Für eine Wärmepumpe ist das eine echte Hürde, aber kein Ausschlusskriterium. Ob ein Umbau nötig ist oder die vorhandene Verteilung angepasst werden kann, klärt der Beitrag zur Einrohrheizung mit Wärmepumpe.

Die Reihenfolge der Maßnahmen

Bei Häusern dieser Bauzeit bringen einige Maßnahmen viel Wirkung für vergleichsweise wenig Aufwand. Die Dämmung der obersten Geschossdecke und der Kellerdecke gehört fast immer dazu. Rollladenkästen lassen sich von innen dämmen und abdichten. Bei zweischaligem Mauerwerk kann die Luftschicht mit Dämmstoff verfüllt werden, ohne die Fassade anzutasten. Eine vollständige Außendämmung ist der größte Schritt und sollte mit ohnehin anstehenden Putzarbeiten zusammenfallen. Werden dichte Fenster eingebaut, ohne an das Lüften zu denken, steigt in vielen Häusern die Raumfeuchte – ein Lüftungskonzept gehört deshalb zu jedem Fenstertausch.

Nicht alles muss vor der Wärmepumpe erledigt sein. Oft ist es sinnvoller, zuerst die günstigen Maßnahmen umzusetzen, die Wärmepumpe auf den dann erreichten Bedarf auszulegen und die großen Schritte später folgen zu lassen.

Der Ölkeller als Platzgewinn

Wenn der Öltank ausgebaut ist, wird im Keller oft überraschend viel Raum frei. Er bietet Platz für Pufferspeicher, Warmwasserspeicher oder ein innen aufgestelltes Gerät. Der alte Schornstein, der vom Keller bis über das Dach reicht, kann als Schacht für Leitungen dienen – etwa zu einer Photovoltaikanlage auf dem Dach oder für eine spätere Lüftungsanlage. Worauf beim Ausbau des Tanks und bei der Ableitung des Bedarfs aus dem bisherigen Ölverbrauch zu achten ist, steht im Beitrag Von Öl auf Wärmepumpe.

Siedlungen und Reihenhäuser

Viele Sechzigerjahre-Häuser stehen in Siedlungen mit einheitlichem Erscheinungsbild, manche sogar unter Ensembleschutz oder einer Gestaltungssatzung. Das betrifft vor allem die Fassade und die Frage, wo ein Außengerät sichtbar sein darf. Bei Reihenhäusern kommt der geringe Abstand zum Nachbarn hinzu. Eine frühe Anfrage bei der Gemeinde und ein Gespräch über der Gartenhecke ersparen spätere Konflikte; Hinweise gibt der Beitrag zur Wärmepumpe im Reihenhaus.

Fragen zu Häusern aus den Sechzigern

Muss ein Haus aus den 1960er-Jahren vor dem Einbau komplett gedämmt werden?

Nein. Häufig reichen Dach- oder Geschossdecke, Kellerdecke und Rollladenkästen, damit die vorhandenen Heizkörper mit moderaten Temperaturen auskommen. Die Fassade kann später folgen.

Warum sind die alten Heizkörper ein Vorteil?

Sie wurden für einen höheren Wärmebedarf bemessen. Ist dieser durch Sanierungen gesunken, genügt ihnen eine niedrigere Vorlauftemperatur – die Voraussetzung für einen effizienten Betrieb der Wärmepumpe.

Was tun mit dem leeren Heizraum?

Er eignet sich für Speicher und Technik, der alte Schornstein oft als Leitungsschacht. So wird aus dem Öllager ein aufgeräumter Technikraum.

Dieser Beitrag ordnet Rechtslage und Marktentwicklung ein und ersetzt keine Beratung im Einzelfall. Fördersätze, Fristen und Preise ändern sich; maßgeblich sind die Veröffentlichungen der zuständigen Stellen zum Zeitpunkt Ihrer Entscheidung.

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