Je besser ein Haus gedämmt ist, desto größer wird der Anteil der Lüftungswärmeverluste am Gesamtbedarf. In einem Neubau macht das Lüften ein Drittel der Heizlast aus. Eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung setzt genau dort an.
Was die Wärmerückgewinnung leistet
Ein Gegenstrom-Plattenwärmeübertrager überträgt 70 bis 90 Prozent der Wärme aus der Abluft auf die Zuluft. Bei einem Einfamilienhaus mit 200 Kubikmetern Luftwechsel pro Stunde sind das über eine Heizsaison 2.000 bis 4.000 Kilowattstunden Wärme, die im Haus bleiben. Für die Wärmepumpe heißt das: kleinere Heizlast, kleineres Gerät, weniger Strom.
Die drei Kombinationsformen
- Getrennte Systeme. Lüftungsanlage und Wärmepumpe arbeiten unabhängig. Die Lüftung senkt den Bedarf, mehr passiert nicht. Die einfachste und flexibelste Lösung.
- Abluftwärmepumpe. Die Wärmepumpe nutzt die Abluft als Wärmequelle — nach der Wärmerückgewinnung, also den letzten Rest. Leistung begrenzt auf 2 bis 4 Kilowatt, reicht nur für sehr gut gedämmte Gebäude.
- Kompaktgerät. Lüftung, Wärmerückgewinnung, Warmwasserbereitung und Heizungsunterstützung in einem Schrank. Standard im KfW-40-Neubau, im Bestand kaum nachrüstbar.
Was im Bestand realistisch ist
Ein zentrales Kanalnetz nachzurüsten ist aufwendig — abgehängte Decken, Schächte, Durchbrüche. Die pragmatische Alternative sind dezentrale Lüfter mit Wärmerückgewinnung: paarweise in Außenwände gesetzte Geräte, die im Wechsel Luft ein- und ausblasen und dabei einen Keramikspeicher be- und entladen. Rückgewinnungsgrade von 60 bis 85 Prozent, Einbau ohne Kanäle, 400 bis 900 Euro je Gerät.
Was zu bedenken ist
- Filterwechsel. Zwei- bis viermal im Jahr, je nach Lage. Vergessene Filter kosten Leistung und Luftqualität.
- Schall. Zentrale Anlagen brauchen Schalldämpfer in den Kanälen, sonst überträgt sich Sprache zwischen Räumen.
- Auslegung. Zu hohe Luftwechselraten trocknen die Raumluft im Winter aus. 0,4 bis 0,5 Luftwechsel pro Stunde sind der übliche Zielwert.
Kosten
Zentrale Lüftungsanlage mit Kanalnetz im Neubau: 8.000 bis 16.000 Euro. Nachrüstung im Bestand: 12.000 bis 25.000 Euro. Dezentrale Lüfter für ein ganzes Haus: 4.000 bis 9.000 Euro. Kompaktgerät mit Wärmepumpenfunktion: 12.000 bis 22.000 Euro.
