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Die Wärmepumpe im Winter: Leistung, Abtauung, Notbetrieb

Was bei minus zehn Grad tatsächlich passiert, wie viel Leistung übrig bleibt, warum Geräte dampfen und ab wann der Heizstab übernimmt — die kalte Jahreszeit ohne Mythen.

Redaktion Die Wärmepumpe2 MinutenStand: Sommer 2026
Moderne Luftwärmepumpe an der Hauswand
Moderne Luftwärmepumpe an der Hauswand

Die Behauptung, Wärmepumpen funktionierten bei Frost nicht, hält sich hartnäckig. Der skandinavische Markt widerlegt sie seit Jahrzehnten: In Norwegen und Schweden heizen Wärmepumpen die Mehrheit der Einfamilienhäuser, bei Wintertemperaturen, die deutsche Verhältnisse regelmäßig unterbieten. Richtig ist trotzdem, dass Leistung und Effizienz mit der Außentemperatur sinken.

Was von der Leistung bleibt

Ein Gerät mit 10 Kilowatt Nennleistung bei plus sieben Grad liefert bei minus sieben Grad noch etwa 7 bis 8 Kilowatt und bei minus fünfzehn Grad rund 6 bis 7. Die Leistungszahl sinkt dabei von etwa 4,5 auf 2,2 bis 2,8. Deshalb wird die Auslegung nicht auf plus sieben, sondern auf die Normaußentemperatur des Standorts gerechnet — je nach Region minus zehn bis minus sechzehn Grad.

Warum das kein Problem ist

Die Jahresverteilung entlastet: In Deutschland liegen weniger als fünf Prozent der Heizstunden unter minus fünf Grad. Die Anlage arbeitet den größten Teil des Winters zwischen null und zehn Grad — dort, wo sie gut ist. Die Auslegung auf die wenigen Extremtage bestimmt die Gerätegröße, nicht den Jahresverbrauch.

Abtauung

Bei Außentemperaturen zwischen etwa plus sieben und minus fünf Grad und hoher Luftfeuchte gefriert Kondensat am Verdampfer. Die Anlage kehrt den Kreis dann für wenige Minuten um und taut ab — sichtbar an Dampfschwaden und einem kurzen Leistungseinbruch. Über die Saison kostet das drei bis acht Prozent der Jahresarbeit. Häufigere Abtauzyklen als etwa einer pro Stunde deuten auf einen verschmutzten Verdampfer oder eine ungünstige Aufstellung hin.

Der Bivalenzpunkt

Er bezeichnet die Außentemperatur, ab der die Wärmepumpe allein die Heizlast nicht mehr deckt und der Heizstab oder ein zweiter Erzeuger zuschaltet. Bei monovalenter Auslegung existiert er nicht — das Gerät trägt die volle Last. Bei monoenergetischer Auslegung liegt er typischerweise bei minus drei bis minus sieben Grad; der Heizstab deckt dann wenige Prozent der Jahresarbeit ab. Diese Zahl gehört ins Angebot: Ein Bivalenzpunkt bei plus zwei Grad bedeutet, dass elektrisch nachgeheizt wird, sobald es ernst wird.

Der Winterverbrauch in Zahlen

Ein Haus mit 4.300 Kilowattstunden Jahresstromverbrauch für die Wärmepumpe zieht im Januar 900 bis 1.300 Kilowattstunden — an einzelnen Frosttagen 30 bis 45. Wer diese Tageswerte hochrechnet, kommt auf Jahresverbräuche, die nie eintreten. Für die Bewertung zählt die Abrechnung über zwölf Monate, nicht die App im Februar.

Was im Winter zu prüfen ist

  • Verdampfer frei von Laub, Schnee und Eis; Schneeverwehungen vor dem Ansaugbereich freiräumen
  • Kondensatablauf offen — Eisplatten unter dem Gerät sind ein Warnzeichen
  • Heizstabanteil in der Betriebsstatistik im Blick behalten
  • Keine Nachtabsenkung, keine dauerhaft zugedrehten Räume

Stromausfall und Notbetrieb

Ohne Strom keine Wärmepumpe — das gilt für Gas- und Ölheizungen mit Steuerung und Pumpe allerdings genauso. Wer für längere Ausfälle vorsorgen will, braucht einen Notstromanschluss mit ausreichender Leistung; ein kleines Aggregat trägt allenfalls Regelung und Umwälzpumpe, nicht den Verdichter. Für die meisten Haushalte ist das ein theoretisches Risiko, für Gebäude in Alleinlage ein zu klärendes.

Dieser Beitrag ordnet Rechtslage und Marktentwicklung ein und ersetzt keine Beratung im Einzelfall. Fördersätze, Fristen und Preise ändern sich; maßgeblich sind die Veröffentlichungen der zuständigen Stellen zum Zeitpunkt Ihrer Entscheidung.

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