Im Einfamilienhaus ist die Wärmepumpe Routine. Im Mehrfamilienhaus scheitert sie selten an der Technik und häufig an drei anderen Dingen: der Warmwasserhygiene, dem Aufstellort und der Eigentümerversammlung.
Die drei Bauformen
Zentrale Anlage. Eine große Wärmepumpe — je nach Gebäude 20 bis 100 Kilowatt, oft als Kaskade mehrerer Geräte — versorgt Heizung und Warmwasser. Das ist die effizienteste Variante und die mit dem größten Planungsaufwand.
Zentrale Heizung, dezentrales Warmwasser. Die Wärmepumpe fährt niedrige Vorlauftemperatur für die Heizung, das Warmwasser macht jede Wohnung über Frischwasserstation oder eigene Brauchwasserwärmepumpe. Hydraulisch die sauberste Lösung, weil die Hochtemperaturanforderung aus dem Hauptkreis verschwindet.
Etagenwärmepumpe. Jede Wohnung erhält ein eigenes kleines Gerät. Praktikabel bei ohnehin dezentraler Versorgung mit Gasetagenheizungen, aber schwierig in Bezug auf Aufstellorte für die Außengeräte und Schall.
Warmwasser ist der Knackpunkt
Zentrale Speicher mit mehr als 400 Litern Inhalt oder mehr als drei Litern Rohrinhalt in der Verteilung unterliegen der Trinkwasserverordnung mit regelmäßiger Legionellenprüfung; 60 Grad im Speicheraustritt sind der übliche Betriebspunkt. Für eine Wärmepumpe ist das teuer. Zwei Auswege: eine Frischwasserstation, die erst bei Zapfung erwärmt und damit die Speichertemperatur senkt, oder eine kleine Hochtemperaturstufe allein für das Warmwasser.
Aufstellort
Große Außengeräte im Innenhof sind schalltechnisch heikel. In der Praxis werden Dachaufstellung — mit Statik- und Körperschallnachweis —, Innenaufstellung im Keller mit Luftkanälen und Sole- oder Grundwasseranlagen häufiger als im Einfamilienhaus. Erdwärme ist im Mehrfamilienhaus oft die wirtschaftlichere Wahl, weil die Bohrkosten auf viele Wohneinheiten verteilt werden.
Die Beschlusslage in der WEG
Der Heizungstausch ist eine Maßnahme der ordnungsmäßigen Erhaltung oder Modernisierung und wird von der Eigentümerversammlung beschlossen. Ein einzelner Eigentümer kann die zentrale Heizung nicht allein ersetzen. Wer nur die eigene Wohnung umstellen will — etwa mit einer Etagen- oder Luft-Luft-Lösung — braucht dennoch die Zustimmung für alles, was Gemeinschaftseigentum berührt: Fassadendurchbrüche, Außengerät, Leitungsführung.
Kosten je Wohneinheit
Bei zentraler Anlage liegen die Kosten inklusive Hydraulik und Speicher typischerweise bei 6.000 bis 12.000 Euro je Wohneinheit — deutlich unter dem Wert im Einfamilienhaus. Die Bundesförderung wird pro Wohneinheit gestaffelt gewährt, was größere Gebäude zusätzlich begünstigt. Für vermietete Objekte gilt die Modernisierungsumlage mit Kappungsgrenze; die Förderung mindert dabei die umlagefähigen Kosten.
