Fachwerk, Feldstein, massive Bruchsteinwände, Denkmalschutz: Häuser dieser Art gelten als hoffnungslose Fälle für die Wärmepumpe. Das stimmt in Einzelfällen, aber deutlich seltener, als angenommen wird.
Warum die Pauschalantwort falsch ist
Der entscheidende Wert ist nicht das Baujahr, sondern die tatsächlich nötige Vorlauftemperatur. Viele Altbauten wurden mit Heizkörpern ausgestattet, die für 90 Grad Kesseltemperatur ausgelegt waren — und sind damit heute massiv überdimensioniert. Der Absenkversuch zeigt, was wirklich gebraucht wird: Nicht selten kommen solche Häuser mit 55 Grad aus, obwohl der Kessel auf 70 steht.
Die Besonderheiten von Fachwerk
- Innendämmung ist heikel. Falsch ausgeführt verschiebt sie den Taupunkt in die Konstruktion und führt zu Feuchteschäden im Holz. Kapillaraktive Systeme aus Holzfaser oder Kalziumsilikat sind der Stand der Technik — und gehören in Fachhände.
- Wandheizung ist die passende Heizfläche. Sie hält die Wand trocken und arbeitet mit 35 bis 40 Grad. In der Sanierung von Fachwerkinnenwänden ist sie oft die technisch sauberste Lösung.
- Denkmalschutz betrifft meist die Fassade, nicht das Innere. Was innen möglich ist, klärt die Untere Denkmalschutzbehörde — und sie ist häufig kooperativer als ihr Ruf.
Die sinnvolle Reihenfolge
- Oberste Geschossdecke dämmen. Meist unproblematisch, denkmalrechtlich unkritisch, senkt die Heizlast um 10 bis 20 Prozent. Kosten 30 bis 60 Euro je Quadratmeter.
- Kellerdecke dämmen, wo möglich. 25 bis 50 Euro je Quadratmeter.
- Fenster prüfen. Kastenfenster mit zweiter Ebene sind denkmalverträglich und wirksam.
- Absenkversuch fahren und die Problemräume identifizieren.
- Heizflächen dort vergrößern, wo es nötig ist.
- Erst dann die Wärmepumpe auslegen.
Wenn 65 Grad bleiben müssen
Dann ist eine Wärmepumpe technisch möglich, aber im Betrieb teuer: Arbeitszahlen um 2,5, Stromkosten entsprechend. In solchen Fällen sind eine Pelletheizung oder eine Hybridlösung ernsthaft zu prüfen — nicht aus Prinzip, sondern weil die Rechnung anders ausgeht.
Kosten
Wärmepumpe mit Heizflächenertüchtigung im Altbau: 30.000 bis 48.000 Euro vor Förderung. Wandheizung: 90 bis 200 Euro je Quadratmeter aktive Fläche. Die Dämmmaßnahmen sind separat förderfähig, teils mit eigenen Sätzen für Denkmäler.
