Fast jeder Hersteller stellt Fachbetrieben ein Auslegungswerkzeug bereit, dazu gibt es Heizkostenrechner und Konfiguratoren für Endkunden. Sie sind nützlich — und sie werden regelmäßig für etwas verwendet, wofür sie nicht gemacht sind.
Was Schnellauslegungen tun
Sie schätzen aus Wohnfläche, Baujahr, Dämmstandard und Standort die Heizlast, wählen daraus eine Gerätegröße und schlagen Speicher und Zubehör vor. Für eine Vorplanung im Verkaufsgespräch ist das brauchbar: Man sieht in fünf Minuten, ob man über eine 8- oder eine 12-Kilowatt-Maschine spricht.
Wo die Grenzen liegen
- Sie kennen Ihr Haus nicht. Zwei Gebäude gleichen Baujahrs und gleicher Fläche unterscheiden sich in der Heizlast leicht um 40 Prozent — je nachdem, was in den vergangenen dreißig Jahren gemacht wurde.
- Sie liefern keine raumweise Betrachtung. Genau die braucht man aber, um zu wissen, welche Heizkörper zu klein sind.
- Sie sind auf Sicherheit ausgelegt. Ein Werkzeug, das zu klein dimensioniert, produziert Reklamationen. Also rundet es nach oben — und Überdimensionierung ist der teuerste Auslegungsfehler.
Was stattdessen gebraucht wird
Eine Heizlastberechnung nach DIN EN 12831, raumweise, mit den tatsächlichen Bauteilen. Sie kostet 300 bis 900 Euro und liefert drei Dinge: die Gesamtheizlast, die raumweise Verteilung und die Grundlage für den hydraulischen Abgleich nach Verfahren B. Ohne sie ist jede Auslegung eine Schätzung.
Der Verbrauchsabgleich als Gegenprobe
Nehmen Sie den Gasverbrauch der letzten drei Jahre in Kilowattstunden und teilen Sie ihn durch 2.000. Das Ergebnis ist die ungefähre Kesselleistung im Betrieb; abzüglich 10 bis 15 Prozent Kesselverluste bleibt die Heizlast. Weicht diese Zahl stark von der Berechnung oder vom Angebot ab, ist das der Punkt zum Nachfragen.
Heizkostenrechner im Netz
Sie liefern Größenordnungen und sind für den Systemvergleich brauchbar — solange man die eigenen Verbrauchsdaten einträgt und nicht die Voreinstellungen übernimmt. Kritisch sind zwei Punkte: die angesetzte Jahresarbeitszahl, die oft zu optimistisch ist, und die Energiepreise, die schnell veralten. Rechnen Sie mit einer Arbeitszahl, die zu Ihrer Vorlauftemperatur passt, und mit einem Preiskorridor statt einem festen Wert.
Die Frage an den Betrieb
Auf welcher Grundlage die vorgeschlagene Gerätegröße steht. Lautet die Antwort Schnellauslegung oder Erfahrungswert, fehlt die belastbare Basis — bei einer Investition dieser Größenordnung ist das keine Kleinigkeit.
