Der häufigste Streitpunkt rund um Wärmepumpen ist nicht die Technik, sondern der Schall. Maßgeblich ist die TA Lärm: In allgemeinen Wohngebieten gelten am nächstgelegenen fremden Fenster 55 Dezibel tags und 40 Dezibel nachts, in reinen Wohngebieten 50 und 35. Nachts ist der kritische Wert — dann läuft die Anlage bei Kälte durch.
Zwei Zahlen, die verwechselt werden
Im Datenblatt steht der Schallleistungspegel, ein Geräteeigenwert, meist zwischen 50 und 65 Dezibel. Beurteilt wird aber der Schalldruckpegel am fremden Fenster. Faustregel für die freie Aufstellung: Der Druckpegel sinkt gegenüber der Leistung um rund 8 Dezibel im ersten Meter und dann um 6 Dezibel je Abstandsverdopplung. Ein Gerät mit 55 Dezibel Schallleistung liegt in 5 Metern Entfernung bei etwa 33 Dezibel — nachts also im zulässigen Bereich, sofern nichts reflektiert.
Was den Pegel wieder verschlechtert
- Wand im Rücken: plus 3 Dezibel. Ecke aus zwei Wänden: plus 6 Dezibel.
- Ausblasrichtung zum Nachbarn: je nach Gerät 2 bis 5 Dezibel mehr in dieser Richtung.
- Harte Flächen wie Pflaster, Garagenwand oder Hausecke, die den Schall bündeln.
- Körperschall: starre Verschraubung auf einer Betonplatte, die mit dem Haus verbunden ist. Das ist im Haus hörbar, nicht draußen.
Was hilft
Abstand. Das wirksamste und billigste Mittel. Jede Verdopplung bringt 6 Dezibel.
Ausrichtung. Ausblasseite zur eigenen Fassade oder zur Straße, nicht zur Terrasse des Nachbarn und nicht in einen schmalen Reihenhausschlauch.
Schallschutzhaube. 600 bis 2.000 Euro, bringt real 3 bis 8 Dezibel. Nur Hauben verwenden, die der Gerätehersteller freigegeben hat — sonst leidet der Luftdurchsatz und mit ihm die Leistung.
Nachtabsenkung des Verdichters. Fast jede Regelung kann den Schallmodus zeitgesteuert aktivieren. Das kostet ein paar Prozent Leistung in der Nacht und löst die meisten Konflikte.
Schwingungsdämpfer und Fertigfundament statt starrer Montage; flexible Anbindung der Leitungen.
Vor dem Kauf klären
Abstand zur Nachbargrenze — je nach Landesbauordnung gelten Mindestabstände, in mehreren Ländern drei Meter, teils mit Ausnahmen für Anlagen unter bestimmten Schallwerten. Wer knapp an der Grenze plant, holt vorab die Auskunft der Bauaufsicht ein. Und: eine Schallprognose des Fachbetriebs mit konkretem Aufstellort verlangen. Sie kostet nichts extra und ist im Streitfall die einzige belastbare Unterlage.
Wenn es doch zu laut wird
Reihenfolge: Nachtmodus aktivieren, Ausrichtung ändern, Dämpfer nachrüsten, Haube setzen, im Extremfall versetzen. Erst danach ist der Gerätetausch ein Thema. In den meisten dokumentierten Fällen war nicht das Gerät zu laut, sondern der Aufstellort falsch.
