Die Gerätegeneration mit Propan als Kältemittel erreicht Vorlauftemperaturen von 70 bis 75 Grad im reinen Wärmepumpenbetrieb, ohne dass der Elektroheizstab zuschaltet. Das ist technisch bemerkenswert und löst ein reales Problem — es verleitet aber auch dazu, ein Problem gar nicht erst anzugehen.
Was hohe Vorlauftemperatur kostet
Jedes Grad mehr Vorlauf kostet rund zweieinhalb Prozent Arbeitszahl. Von 45 auf 70 Grad sind das über 50 Prozent Mehrverbrauch. Konkret: Ein Haus mit 18.000 Kilowattstunden Wärmebedarf braucht bei einer Arbeitszahl von 3,8 rund 4.700 Kilowattstunden Strom, bei 2,6 dagegen 6.900. Bei 25 Cent je Kilowattstunde sind das 550 Euro Unterschied — jedes Jahr.
Wann sie trotzdem richtig ist
- Denkmalgeschützte Gebäude, in denen weder Fassade noch Heizflächen verändert werden dürfen
- Einrohrheizungen, bei denen der Heizkörpertausch die Systemtemperatur kaum senkt
- Mehrfamilienhäuser mit zentraler Warmwasserbereitung und Zirkulation, die aus hygienischen Gründen hohe Speichertemperaturen fahren
- Übergangslösungen, in denen die Anlage zunächst heiß laufen muss und die Heizflächen erst später ertüchtigt werden
Der Zwischenweg, der meist übersehen wird
Die Anlage muss nur an wenigen Tagen im Jahr Höchstleistung fahren. In Deutschland liegt die Außentemperatur weit über 90 Prozent der Heizzeit oberhalb von null Grad. Wer die Heizkurve so einstellt, dass 70 Grad wirklich nur bei Normaußentemperatur erreicht werden, verliert im Jahresmittel deutlich weniger, als der Spitzenwert vermuten lässt. Eine gut eingestellte Anlage mit 65-Grad-Spitze und 45-Grad-Mittel ist besser als eine, die dauerhaft mit 60 Grad fährt.
Der Heizstab ist kein Ersatz
Viele Geräte erreichen hohe Temperaturen nur mit elektrischer Nachheizung. Dort arbeitet die Anlage mit einer Arbeitszahl von 1 — eine Kilowattstunde Strom ergibt eine Kilowattstunde Wärme. Im Angebot muss deshalb stehen, bis zu welcher Vorlauftemperatur das Gerät ohne Heizstab liefert und bei welcher Außentemperatur der Bivalenzpunkt liegt.
Die ehrliche Reihenfolge
Erst prüfen, ob 55 Grad genügen. Wenn nicht: prüfen, ob zwei bis vier größere Heizkörper genügen. Wenn auch das nicht: Hochtemperaturgerät — und dann mit dem Wissen, dass der Betrieb dauerhaft teurer ist als in einem Haus, das mit 45 Grad auskommt.
