Die meisten Wärmepumpen im Bestand laufen mit den Einstellungen, die der Monteur am Einbautag gesetzt hat. Diese sind auf Sicherheit ausgelegt, nicht auf Effizienz. Wer sie systematisch nachjustiert, senkt den Stromverbrauch typischerweise um 10 bis 25 Prozent — ohne ein Bauteil anzufassen.
Die Heizkurve verstehen
Die Heizkurve legt fest, welche Vorlauftemperatur die Anlage bei welcher Außentemperatur fährt. Zwei Parameter: die Steigung (wie stark der Vorlauf bei Kälte ansteigt) und das Niveau oder die Parallelverschiebung (die Kurve wird als Ganzes angehoben oder gesenkt).
Typische Startwerte: bei Fußbodenheizung eine Steigung von 0,3 bis 0,5, bei Heizkörpern 0,6 bis 1,0. Der Wert aus dem Auslieferungszustand liegt oft bei 1,2 und damit deutlich zu hoch.
Das Vorgehen über den Winter
1. Referenzraum wählen. Ein Raum, der die Anlage repräsentiert. Thermostatventile dort ganz öffnen.
2. Steigung senken. In Schritten von 0,1, jeweils zwei bis drei Tage beobachten. Wird es an kalten Tagen zu kühl, war der letzte Schritt zu viel — Steigung war der falsche Hebel.
3. Niveau anpassen. Ist es dauerhaft und unabhängig von der Außentemperatur zu kühl, ist das Niveau zu niedrig; ist es nur bei Kälte zu kühl, ist die Steigung zu flach.
4. An den kältesten Tagen prüfen. Der Test gilt erst, wenn die Anlage bei Normaußentemperatur die Räume noch hält.
Die vier größten Verbrauchsfresser
- Heizstab läuft mit. In den Betriebsdaten die Zusatzheizung prüfen. Über wenige Prozent der Jahresarbeit hinaus ist sie ein Fehler, kein Feature. Freigabe auf Notbetrieb und Legionellenschaltung begrenzen.
- Takten. Über 10.000 Verdichterstarts im Jahr — grob mehr als drei pro Stunde in der Übergangszeit — bedeuten zu hohen Volumenstromverlust oder zu wenig Abnahme. Abhilfe: Kreise öffnen, Einzelraumregelung entschärfen, Mindestlaufzeit und Hysterese erhöhen.
- Nachtabsenkung. Was beim Gaskessel spart, kostet hier: Das Wiederaufheizen am Morgen läuft mit erhöhter Vorlauftemperatur und oft mit Heizstab. Bei Flächenheizung ganz abschalten, bei Heizkörpern allenfalls zwei bis drei Grad.
- Warmwasser zu heiß, zu oft, zur falschen Zeit. 48 Grad statt 55, zwei Ladefenster, mittags statt nachts.
Messen, nicht raten
Ohne Zahlen ist jede Optimierung Gefühlssache. Nötig sind Stromverbrauch der Wärmepumpe, gelieferte Wärmemenge und die Betriebsstatistik des Geräts. Aus Wärme geteilt durch Strom ergibt sich die Arbeitszahl — und nur an ihr lässt sich ablesen, ob eine Änderung etwas gebracht hat. Vor jedem Eingriff die alten Werte notieren, damit man zurück kann.
Wann Fachhilfe nötig ist
Wenn nach zwei Optimierungsrunden die Arbeitszahl unter 2,8 bleibt, liegt die Ursache meist nicht in der Regelung, sondern in der Hydraulik oder der Auslegung: fehlender Abgleich, Trennpuffer im Vorlauf, hydraulische Weiche, zu großes Gerät. Das sind Themen für den Fachbetrieb — aber mit den eigenen Messwerten in der Hand verläuft dieses Gespräch anders.
