Die Fußbodenheizung gilt als ideale Partnerin der Wärmepumpe, weil sie große Flächen bei niedriger Temperatur beheizt. Das stimmt — mit Einschränkungen, die in der Praxis regelmäßig übersehen werden.
Was die Vorlauftemperatur bestimmt
Nicht die Bauart, sondern der Verlegeabstand und der Aufbau. Rohre mit 10 Zentimeter Abstand im Nassestrich kommen mit 28 bis 32 Grad aus. Rohre mit 25 bis 30 Zentimeter Abstand — in den achtziger und neunziger Jahren häufig verlegt — brauchen 38 bis 45 Grad für dieselbe Leistung. Trockenbausysteme mit dünner Estrichschicht liegen dazwischen, reagieren aber schneller.
Der Bodenbelag verschiebt das noch einmal: Fliesen leiten gut, Teppich und dicke Holzdielen wirken wie Dämmung und kosten drei bis sechs Grad Vorlauftemperatur.
Der häufigste Fehler: Einzelraumregelung
Klassische Raumthermostate schließen die Kreise, sobald der Sollwert erreicht ist. Für die Wärmepumpe ist das schädlich: Die verbleibende Fläche wird kleiner, der Volumenstrom sinkt, die Anlage muss die Temperatur anheben und beginnt zu takten. Besser ist ein durchgehender Betrieb mit sauber abgeglichenen Kreisen und einer flachen Heizkurve — die Regelung übernimmt die Außentemperatur, nicht das Zimmerthermostat. Die Einzelraumregelung bleibt sinnvoll für Räume mit hohen Fremdwärmeeinträgen und ist in Neubauten je nach Konstellation ohnehin vorgeschrieben; entscheidend ist, dass sie nicht dauernd zufährt.
Der hydraulische Abgleich am Verteiler
Jeder Kreis braucht den Volumenstrom, der zu seiner Fläche und Raumheizlast passt. Ein Verteiler ohne Durchflussanzeiger lässt sich nicht abgleichen — der Austausch gegen einen Verteiler mit Topmeter kostet 300 bis 700 Euro und ist die günstigste wirksame Maßnahme in vielen Bestandsanlagen.
Teilflächen und Mischbetrieb
Viele Häuser haben Fußbodenheizung im Erdgeschoss und Heizkörper darüber. Dann gilt die höhere der beiden nötigen Vorlauftemperaturen für die ganze Anlage — es sei denn, der Heizkörperkreis wird über einen Mischer separat gefahren. Das kostet einen Mischerkreis, spart aber dauerhaft Vorlauftemperatur im großen Kreis. Umgekehrt bringt es nichts, die Heizkörper zu vergrößern, wenn der Fußbodenkreis mit 25 Zentimeter Verlegeabstand ohnehin 40 Grad braucht.
Nachrüsten im Bestand
Fräsverfahren legen Rohre in den vorhandenen Estrich, ohne den Boden komplett aufzunehmen — Kosten 60 bis 110 Euro je Quadratmeter, Bodenbelag muss raus. Dünnschichtsysteme bauen 15 bis 25 Millimeter auf und gehen ohne Fräsen, verändern aber Türhöhen. Beides lohnt vor allem dort, wo der Boden ohnehin erneuert wird.
Die Kontrolle im Betrieb
Bei richtiger Einstellung ist der Estrich im Winter dauerhaft leicht warm, nicht heiß — Oberflächentemperaturen um 24 bis 27 Grad. Wer im Januar barfuß deutliche Wärme spürt, fährt zu hoch und zahlt dafür.
