Neben Luft, Erdreich und Grundwasser gibt es Wärmequellen, die im Einfamilienhaus keine Rolle spielen, in Quartieren und größeren Gebäuden aber sehr wohl: Abwasser und Oberflächenwasser.
Abwasserwärme
Kommunales Abwasser hat ganzjährig 10 bis 20 Grad — im Winter deutlich wärmer als die Außenluft und stabiler als jede Erdsonde. Die Wärme wird über Wärmeübertrager im Kanal oder in einem Bypass entzogen.
- Voraussetzung: ein Kanal mit ausreichendem Trockenwetterabfluss, üblicherweise ab 10 bis 15 Litern pro Sekunde. Das entspricht dem Abwasser von etwa 5.000 Einwohnern.
- Genehmigung: Der Kanalbetreiber muss zustimmen. Die Abwassertemperatur darf nicht so weit sinken, dass die biologische Reinigungsstufe der Kläranlage leidet.
- Wartung: Die Wärmeübertrager verschmutzen und müssen regelmäßig gereinigt werden.
Flusswasser und Seewasser
Oberflächengewässer liefern große Wärmemengen bei mäßigen Temperaturen. Im Winter liegt die Temperatur bei 2 bis 6 Grad — niedriger als Abwasser, aber konstanter als Luft und ohne Abtauverluste.
- Wasserrechtliche Erlaubnis ist zwingend; die Behörde begrenzt Entnahmemenge und zulässige Abkühlung, meist auf wenige Kelvin.
- Technisch aufwendig: Filter, Rechen, Frostschutz und Korrosionsschutz. Bei Flüssen mit Schwebstofflast erhebliche Wartung.
- Ökologische Prüfung: Die Temperaturabsenkung im Gewässer wird geprüft, besonders in geschützten Abschnitten.
Für wen das in Frage kommt
Nicht für das Einfamilienhaus. Der Aufwand für Erschließung, Genehmigung und Wartung amortisiert sich erst ab Wärmebedarfen im Bereich mehrerer hundert Kilowattstunden pro Stunde — also Mehrfamilienhausgruppen, Quartiersnetze, Schwimmbäder, Gewerbebetriebe. In Wärmenetzen sind beide Quellen dagegen ein ernstzunehmender Baustein: Mehrere Kommunen speisen bereits Abwasserwärme über Großwärmepumpen ins Netz.
Was Eigentümer davon haben
Indirekt einiges. Wenn die kommunale Wärmeplanung ein Netz vorsieht, das aus Abwasser oder Flusswasser gespeist wird, ist das ein Argument, den eigenen Heizungstausch noch einmal zu prüfen — ein Netz mit Großwärmepumpen als Quelle hat andere Preisperspektiven als eines auf Gasbasis. Die Frage gehört ans Planungsamt, nicht an den Heizungsbauer.
